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Die Kunde von den ersten
instrumentalen Aktivitäten in Kuppenheim reicht bis ins 18. Jahrhundert
zurück. Doch finden sich erst ab 1869 in den Stadtrechnungen regelmäßig
Belege für Auftritte Kuppenheimer Musiker. So spielten 1869 „Richard
Walz und Genossen“am Bahnhof anläßlich der Eröffnung der Murgtaleisenbahn.
Für „geleistete Musig“ beim Friedensfest 1871 zahlte die Stadt 15 Gulden
Honorar. Auch die Einweihung der Murgbrücke (1876), der Einzug des
Erzbischofs (1889), der 70. Geburtstag Großherzogs Friedrich I. (1896) , das
„Wasserfest“ für die neu gebaute zentrale Wasserversorgung (1901) und die
Grundsteinlegung für die katholische Kirche (1902) sind frühe Stationen der
Stadtmusik.
Weil die Musikkapelle (1902 gegründet) den Ansprüchen der Stadt und der Kirchengemeinde bald nicht mehr genügte, regte Bürgermeister Lorenz Stemmle die Gründung einer Stadtkapelle an. Nach Verhandlungen mit dem Gemeinderat waren 1000 Mark Vorschuß aus dem Stadtsäckel 1904 die Grundlage für Schuhmachermeister Karl Walz und zwölf Gleichgesinnte, dieses Vorhaben zu verwirklichen. Für 659 Mark wurden bei der Hofinstrumentenfabrik Altrichter in Frankfurt an der Oder die ersten Instrumente gekauft. Das städtische Darlehen wurde mit Auftritten bei Prozessionen und landesfürstlichen Geburtstagsfeiern zu jährlich 100 Mark abgedient. Den Dirigenten Mattes vom Infanterieregiment Nr. 111 in Rastatt und die Noten mußten die Musiker zunächst selbst bezahlen. Geprobt wurde unter Maler Josef Hertweck zweimal wöchentlich im Koffermagazin der Firma Schaeuble. Nachdem sich im Jahre 1902 über 100 Bürger in eine Liste hatten eintragen lassen, berief Karl Walz eine Versammlung zur Gründung des Musikvereins ein, um finanzielle Beiträge zur Finanzierung der Stadtkapelle zu beschaffen. Bald darauf zählte der Verein 160 passive Mitglieder.
Mit der Stadtkapelle wetteiferte die fast zur gleichen Zeit ins Leben gerufene Feuerwehrkapelle. In der Not des Ersten Weltkrieges erkannte man endlich, daß nur Einheit stark macht und das Überleben sichert. Kurz nach dem Krieg folgte der Zusammenschluß zur Stadtkapelle mit 25 Musikern, die nachfolgend unter Josef Hertweck (der „Maler-Seppl“) zum stärksten und geachtetsten Blasorchester im Murgtal erwuchs.
Das silberne Jubiläum im Jahr 1927, bei dem der Verein über 500 Mitglieder, die Stadtkapelle unter Alwin Seeländer 30 Musiker zählte, wurde beim Festbankett, Festzug und Preis-Wettspielen der Gastvereine zu einem Volksfest.
In den folgenden Jahren pflegte man Familienabende, Fastnachtsbälle, Herbstkonzerte und Waldfeste und bewies sich bei Wertungsspielen mit Auszeichnungen. Im Dritten Reich mußte man sich aber auch den musikalischen Anforderungen der örtlichen NSDAP bei Parteifeiern stellen.
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kan das Vereinsleben fast zum Erliegen. 1941 gestaltete der Musikverein mit der Handharmonikavereinigung und dem Gesangverein Treue im Ochsensaal einen Bunten Abend, um die Mittel für Weihnachtspakete an die Soldaten an der Front aufzubringen. Die Zahl der Musiker war auf 14 gesunken. Mit Quartettmusik half man sich aus mancher Notlage. Nach weiterem Rückgang der Aktiven mußte sich das Musizieren auf die Begleitung der Erstkommunikanten und die Beisetzung verstorbener Vereinsmitglieder beschränken. Nach dem Einmarsch der französischen Besatzungsmacht verbot diese 1945 jegliches Musizieren der Stadtkapelle.
18 Musiker und 30 Passive besiegelten die Wiedergründung des Vereins am 15.12.1945 mit der Annahme einer neuen Satzung. Mit dem Musiker Hauser fand sich ein vielseitiger Kapellmeister bereit, der sich auch um die Jugendausbildung kümmerte. Wegen fehlender Instrumente kam diese jedoch nur schlecht voran. Wirtschaftliche Nöte und die Währungsunion 1948 sorgten dafür, daß bald alles brachlag.
Erst 1949 wagte man wieder einen Familienabend mit Theaterspiel, einem Kostümball und ein Gartenfest zu veranstalten. Die Kapelle war auf 25 Musiker angewachsen. Josef Hertweck konnte erneut als Dirigent gewonnen werden. Nach seinem Tod sprang Alwin Seeländer ein, empfahl aber bald den Stabsmusikmeister a. D. Arthur Ellbogen, der den Verein wieder zu neuen Höhen führte.
Beim Festbankett zum goldenen Jubiläum 1952 verlieh Bürgermeister Adolf Walz der Musikkapelle den Ehrentitel Stadtkapelle. Freundschafts- und Festkonzerte, ein Festzug und ein Tanzabend beschlossen das Jubelfest. 1954 gab sich der Verein eine neue Satzung. Wunschkonzerte und Maskenbälle in den Gasthäusern „Zum Kreuz“ und „Zum Ochsen“ waren beliebt. 1962 beging der Musikverein sein 60jähriges Stiftungsfest in Verbindung mit dem Bezirksmusikfest. Danach übergab Arthur Ellbogen altersbedingt den Dirigentenstab an Georg Bauer. Im Jahr 1967 – der Verein wurde in das Vereinsregister eingetragen – feierte der Musikverein sein 65jähriges Bestehen.
Unter Dirigent Werner Michel erlebte die Stadtkapelle in den 60er und 70er Jahren eine wahre Blüte, wie großartige Erfolge bei Wertungsspielen in Ottenau (1965) und bei Konzerten in Rankingen und Ettlingenweier (1967) belegen. 1975 schlossen sich 18 junge Musiker der Stadtkapelle zu den Knöpflestadtmusikanten zusammen, die mit ihrer Tanz- und Stimmungsmusik bis Ende der 80er Jahre viele örtliche und auswärtige Feste und Feiern bereicherten und sich zum Hock im Wörtel 1996 erneut zusammenfanden. Zu einem unvergessenen Höhepunkt in der Vereinsgeschichte wurde das 75jährige Jubiläumsfest im Jahr 1977, an dem 19 Gastkapellen aus dem In- und Ausland teilnahmen. Ein Festbuch machte auf das Festkonzert, den Ehrungsabend, den Festzug und ein Big-Band-Konzert aufmerksam. Musikalische Glanzlichter der folgenden Jahre waren zahlreiche Konzerte, eine erfolgreiche Wertungsspielteilnahme, das Konzert zum 90. Vereinsgeburtstag, Rundfunkaufnahmen zum Freiburger Wunschkonzert und die Höhepunkte der 900-Jahr-Feier der Stadt.
In den 60er/ 70er Jahren wurden lebhafte Kontakte und Konzerte in Frankreich (Mutzig, Obernai, Molsheim, Duppigheim), Österreich (Rankweil) und in der Schweiz (Reinach/ Basel) arrangiert. Seit Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Kuppenheim und Raon L`Étape (Frankreich) ist die Stadtkapelle bei Feierlichkeiten hier wie dort zugegen.
Ein bemerkenswertes Datum ist der März 1999 zu nennen. Die Stadtkapelle hatte die Ehre, mit Heino (!) zusammen in der Fernsehaufzeichnung der "Wunschbox" mit Ingo Dubinski aufzutreten und dort den Fehrbelliner Reitermarsch und den "Alte-Kameraden-Marsch" mit Heino als Sänger zu spielen.
Als ein Novum in der Vereinsgeschichte ist sicherlich die Öffentliche Musikprobe hervorzuheben. Sie fand im Sommer 1999 erstmalig statt. Als Ort diente der Obere Torplatz an der Stadtmauer. Hierbei handelt es sich eigentlich um eine ganz normale Probe, jedoch unter freiem Himmel und mit Bewirtung der eingeladenen Bevölkerung. Durch den Erfolg dieser Premiere fand diese im Mai 2000 wiederum statt und wird seitdem jährlich wiederholt, wobei sich in den letzten Jahren die Weiterentwicklung zum "Hock an der Stadtmauer" sehr bewährt hat.
In jedem Jahr bereitet sich die Stadtkapelle in etwa 50 Proben auf ca. 40 Auftritte vor. Benutzte man dazu früher Schulräume im Alten Schulhaus, den Saal des Gasthauses Zur Linde, das Verwaltungsgebäude der Stadt in der Schloßstraße oder bis Frühjahr 2000 die „Festung“ am Schaeuble-Areal, so üben die Musiker heute im neuen Probelokal, welches im neuen Bauhof im Gewann Kunstwiesen integriert ist.